Wie Corona psychische Gewalt salonfähig machte

Das Szenario aus der Corona-Krise kennt jeder: Wer aus dem allgemeingültigen Narrativ ausscherte, die Maßnahmen kritisierte, auf Kollateralschäden hinwies, es wagte gegen die Corona-Politik zu demonstrieren und sich kritisch mit der Corona-Impfung beschäftigte, wurde sowohl medial, politisch als auch von seinen Mitmenschen wechselnd als Nazi, unsolidarischer Egoist, Schwurbler, Verschwörungstheoretiker oder Covidiot beschimpft. Andersdenkende wurden und werden diffamiert, diskriminiert und als hirnlose Esoteriker diskreditiert.

Über zwei Jahre lang wurde dies nun hierzulande vorgemacht und eingeübt in einem Land, das zuvor den Kampf gegen jede Form von Diskriminierung allgegenwärtig bis ins Alphabet hinein inszenierte, wie man mit Menschen umzugehen hat, die anders oder einfach eben selber denken.

Dass wir es hier mit einer groben Form psychischer Gewalt zu tun haben, die eigentlich zu ächten ist, wollte irgendwie niemandem auffallen.

Ausgangspunkt jeder Form emotionaler Gewalt ist kontinuierliche Abwertung. Beschimpfungen und Diffamierungen dienen der Zerstörung des Selbstwertgefühls des Opfers und seiner geistigen Gesundheit. Mit der Zeit wird der Glaube an den eigenen Wert, die Identität und die eigenen Empfindungen, an Rechte oder Wahlfreiheit zerstört. Auch Diffamierungen in der Öffentlichkeit gehören zum klassischen Repertoire psychischer Gewalt.

Es wird so lange mentaler Druck ausgeübt, bis die im Interesse der Machtausübenden liegenden Ziele erreicht sind, in diesem Falle, alle Kritiker zum Schweigen zu bringen. Und das funktionierte in Sachen Corona-Diskurs auch ziemlich gut. Die Zahl der Demonstrierenden nahm schnell wieder ab, nachdem Medien und Politiker die Mehrheit davon überzeugt hatten, dass dort lauter Rechte herumlaufen, mit denen man sich doch nicht etwa verbrüdern wolle. Wer die Maßnahmen kritisch sah und nicht mit allem einverstanden war, sprach nicht mehr darüber und lächelte nur noch freundlich, wenn Freunde und Bekannte mit grimmiger Miene alle Kollateralschäden ignorierend für Zero-Covid plädierten. Schnell hatten die meisten kapiert, dass, wer sich nicht anpasst, ziemlich bald mit sozialer Isolation und im schlimmsten Fall, wenn man eine Person der Öffentlichkeit ist, mit einer Schmutzkampagne zu rechnen hatte.

Die Isolation des Opfers gehört zu den typischen Formen der psychischen Gewalt. Opfer sollen das Gefühl bekommen, einsam zu sein, alleine da zu stehen. Fast täglich wurden uns die Ergebnisse von Umfragen ins Gehirn gehämmert, dass die Mehrheit der Deutschen für eine Verschärfung der Maßnahmen sei und dass nur eine nicht ins Gewicht fallende Minderheit dagegen auf die Straße gehe.

Ein Beispiel für psychische Gewalt ist die schwarze Pädagogik, die in der Corona-Zeit unter den Regierenden ein intensives Comeback feierte. Schwarze Pädagogik zielt darauf, den Willen eines Kindes zu brechen und es mithilfe offener oder verborgener Machtausübung, Manipulation und Erpressung zum gehorsamen Untertan zu machen. Schon bald war es ein offenes Geheimnis, dass es eine Angst-Agenda der Regierung gab, die gezielt Panik in der Bevölkerung schüren sollte, um die Bürger durch detailreiches Ausmalen schlimmster Horrorszenarien zum gefügigen Befehlsempfänger zu machen. Der Wechsel von ‚Daumenschrauben anziehen und wieder lockern und wieder anziehen’ erzeugte dabei ein Wechselbad der Gefühle, schwankend zwischen aufkeimender Hoffnung und erneuter Verzweiflung und Ohnmacht, das im Übrigen typisch für diverse Foltermethoden ist.

Offene Erpressung wurde zum täglichen Brot: Wenn ihr euch an die Regeln haltet, dann…. wenn ihr zu Hause bleibt, dann…. wenn ihr Maske tragt, dann… wenn die Inzidenzen nicht steigen, dann…. wenn ihr euch impfen lasst, dann… bekommt ihr eure Freiheit wieder. Derselbe Singsang über zwei Jahre, und die Freiheit winkt aus weiter Ferne. Es ist Erpressung und Zermürbungstaktik zugleich. Ein mürbe gewordenes Volk lässt sich besser kontrollieren.

Mobbing beschreibt eine Form psychischer Gewalt, die durch das wiederholte und regelmäßige, vorwiegend seelische Schikanieren, Quälen und Verletzen eines einzelnen Menschen durch eine Gruppe oder Einzelperson definiert ist. Zu den typischen Mobbinghandlungen gehören u. a. Demütigungen, Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen, Zuweisung sinnloser Aufgaben und anderweitiger Machtmissbrauch, Gewaltandrohung, soziale Exklusion oder eine fortgesetzte, unangemessene Kritik an einer Person oder ihrem Tun.

In Corona-Zeiten haben wir es mit staatlich angeordnetem Mobbing zu tun. Die Art, wie Menschen, die bestimmten Maßnahmen nicht Folge leisten können, wie beispielsweise Menschen, die aufgrund von Vorerkrankungen keine Maske tragen können, oder die auf Kollateralschäden der Maßnahmen hinweisen und gegen diese Maßnahmen demonstrieren, von Medien, Politik und Mitmenschen ausgegrenzt und beschimpft werden, erfüllt alle Kriterien des Tatbestandes des Mobbings. Die Folgen von Mobbing sind fatal – sie fangen bei psychosomatischen Beschwerden an, führen über die Zerstörung des Selbstwertgefühls der Opfer und nicht selten in den Suizid. Mobbing ist kein Spaß, wie es viele Täter gern behaupten, um ihr Handeln zu verharmlosen. Es ist auch kein Kavaliersdelikt, andere Menschen systematisch zu quälen, zu drangsalieren und zu schikanieren, sondern eine sehr ernstzunehmende Form der Gewalt und als solche auch strafbar.

Dass nun ausgerechnet von oberster Stelle dazu aufgerufen wurde, Andersdenkende, Kritiker, Ungeimpfte zu tyrannisieren, ist erschreckend und scheint in der ganzen Tragweite von den wenigsten Menschen hierzulande verstanden worden zu sein.

Wenn über einen langen Zeitraum täglich gegen bestimmte Menschen, die nicht dem allgemeinen Narrativ folgen und anders denken und sich anders verhalten, öffentlich gehetzt wird, dann hat das Folgen, und zwar nicht nur kurzfristig, sondern langfristig, denn auf diese Weise wird eine Form von Gewalt legitimiert. Und man kann schon jetzt regelmäßig beobachten, wie sich im zwischenmenschlichen Umgang Kommunikationsformen immer mehr etablieren, die zuvor wenn nicht geächtet waren, dann zumindest nicht als normal galten.

Die 2G-Regeln, von denen mittlerweile bekannt ist, dass sie aus infektiologischer Sicht völlig sinnlos sind, müssen als staatlich angeordnetes Mobbing verstanden und auch so benannt werden. Offensichtliche Schikane sollte nicht unter dem epidemiologischen Deckmäntelchen als notwendige Schutzmaßnahme verkauft werden. Wer sich bis dahin nicht impfen ließ, sollte nun mit massiver Ausgrenzung aus dem sozialen Leben in die Knie gezwungen werden, und bei nicht wenigen ist dies auch gelungen. Ziemlich viele Menschen ließen sich, obwohl sie mit den Maßnahmen nicht einverstanden und von der Impfung nicht überzeugt waren, die Spritze geben, weil sie dem Druck nicht mehr standhielten. Das ist nicht nur medizinisch komplett fragwürdig, sondern entspricht eben exakt Vorgehensweisen des Mobbings und ist damit psychische Gewalt, die somit schon längst auf der Tagesordnung steht und von kaum jemandem mehr als solche wahrgenommen wird.

Wenn Gewalt nicht mehr als Gewalt wahrgenommen wird, wenn sie normal, also salonfähig wird, dann haben wir als Gesellschaft ein Problem. Dieser Entwicklung muss entgegengesteuert werden, und das kann damit anfangen, dass die Dinge so benannt werden, wie sie sind. Und es kann damit weitergehen, dass man, ob geimpft oder nicht geimpft, bestimmte Maßnahmen nicht unterstützt, wie jene 2G-Regeln, was bedeuten würde, dass niemand Orte aufsucht, an denen dieses Regeln umgesetzt werden.

Die neue staatliche und mediale Legitimation psychischer Gewalt wird eingekleistert in ein numinöses Wir-Gefühl: Während bestimmte Menschen massiv ausgegrenzt und diffamiert werden, werden Parolen in die Corona-Gemeinde gebrüllt wie: ‚Wir halten zusammen’ oder ‚Wir sind solidarisch’. Dieses geheuchelte Moral wird dann noch bepinselt mit Orwellschem Neusprech wie: ‚Die Maske ist ein Symbol der Freiheit’ oder ‚Wer zu Hause bleibt, ist ein Held.’ Da kann einem schon einmal übel werden.

Gaslighting ist eine weitere Ausprägungsform psychischer Gewalt, die man ebenfalls in Corona-Zeiten hervorragend beobachten kann. Gaslighting ist ein Angriff auf die Wahrnehmungs- und Orientierungsfähigkeit eines Opfers. Über einen längeren Zeitraum wird seine Wahrnehmung der Realität in Frage gestellt. Mit der Zeit beginnen Opfer, an ihrer Wahrnehmung, ihrem Gedächtnis, ihrem Verstand zu zweifeln. Häufig manipulieren Gaslighter Menschen in der Umgebung ihres Opfers dahingehend, dass diese den Standpunkt des Täters bestätigen, ebenfalls an der Wahrnehmung des Opfers zweifeln und so unbewusst an der Inszenierung des Täters mitwirken.

Unliebsamen Maßnahmenkritikern wird in Corona-Zeiten eine unzutreffende Realitätswahrnehmung oder falsche Realitätsbeurteilung vorgeworfen. Dadurch sollen diese Menschen gezielt manipuliert und verunsichert werden. Bei Impfkritik ist dies besonders auffällig. Dass die Corona-Impfungen schwerwiegende und tödliche Nebenwirkungen haben können, ist eine Tatsache, sollte aber nicht publik werden. Menschen, die darauf hinwiesen, ob Betroffene, Angehörige, Krankenschwestern oder Ärzte, wurde kein Gehör geschenkt, sie wurden nicht ernst genommen. Die Impfschäden wurden als nicht existent verleugnet – eine typische Form von Gaslighting.

Offensichtlich haben wir als Gesellschaft uns in eine eskalierende Gewaltspirale begeben, die die meisten von uns allerdings nicht als solche erkennen. Wir brauchen eine kritische Aufarbeitung davon, wie wir in dieser Corona-Krise miteinander umgegangen sind. Gewalt muss als solche benannt werden. Es muss deutlich werden, dass die Diffamierung und Ausgrenzung andersdenkender Menschen psychische Gewalt bedeutet und auch entsprechende Folgen hat.

Wir sind dafür verantwortlich, in dieser Gesellschaft wieder ein Klima zu schaffen, in der nicht nur ein einziges Narrativ gilt, in der wieder viele, verschiedene Meinungen und Ansichten zu welchem Sachverhalt auch immer offen geäußert werden können, ohne ins gesellschaftliche Aus zu geraten. Sowohl Politiker als auch Journalisten müssen sich kritisch selbst damit konfrontieren, was sie in diese Gesellschaft für eine Saat eingebracht haben, wenn sie Kritiker auf diese Weise diskreditierten.

Wir können auf alle Gendersternchen getrost verzichten, wenn wir es nicht einmal schaffen, verschiedene und konträre Meinungen im Debattenraum zuzulassen – und zwar auch, wenn es um einen Virus namens Corona geht.

Kein Virus und kein Krieg dieser Welt sollten dazu führen, dass wir Intoleranz und Dogmatismus an oberste Stelle setzen. Gerade in der Krise brauchen wir verschiedene Perspektiven und Meinungen – nur auf diese Weise können wir uns dem annähern, was man Wahrheit nennt.