Lechzen nach Regeln - das Selbstbild der Deutschen

Man könnte meinen, dass die Mehrheit der Bevölkerung nach der Zurücknahme der Einschränkungen durch die Corona-Krise giert und Lockerungen einfordert. Das Gegenteil ist der Fall. Nach den ersten Einschränkungen wurde um mehr Restriktionen geradezu gefleht. Nicht geringe Anteile der Bevölkerungen forderten im März eine komplette Ausgangssperre. Kaum wird die Aufhebung der Maskenpflicht diskutiert, werden die Rufe laut, dass diese bleiben muss, dass eine Empfehlung nicht ausreicht.

Verwundert schaue ich mich um in einem Volk, dem ich zugerechnet werde. Deutschland. Ist diesem Land seine Freiheit so wenig wert?

Was ist das für ein Land, in dem PolitikerInnen überzeugt sind, dass sie mit Verboten, Pflichten und Zwängen durchregieren müssen? In dem die Medien weitestgehend im Schulterschluss mit der Regierung dabei helfen, diese durchzusetzen, indem sie die entsprechende Stimmung schüren, die nichts anderes als Gehorsam möglich zu machen scheint.

Irritiert höre ich Menschen zu, die sagen, anders ginge es ja nicht, sonst mache ja jeder, was er wolle. Ohne Vorschriften und Bußgelder laufe gar nichts.

Was für ein Selbstbild haben Großteile der Bevölkerung von sich und diesem Land, dass sie glauben, eine Krise könne nur mit hartem Durchgreifen auf Basis der Grundsätze einer schwarzen Pädagogik bewältigt werden, das heißt, mit Drohungen, Verboten und Strafen?

Wieso trauen wir uns so wenig zu? Warum haben wir so wenig Vertrauen ineinander? Dass wir diese Krise meistern könnten, indem wir davon überzeugt sind, dass die meisten Menschen zu ihrer Bewältigung beitragen wollen.

Stattdessen übt man sich im Denunzieren, im Spalten, in Vorurteilen und in Diskriminierung. Die Überzeugung, dass jeder, der nicht in der Spur mitläuft, gefährlich sei, dass Kritik an den allgemeinen Maßnahmen verräterisch oder unsolidarisch sei, ist groß. Abweichler werden in dieser Krise zu Volksverrätern.

Es scheint eine gewisse Lust zu geben zu regulieren, zu überregulieren von seiten der Regierung, und reguliert zu werden von Seiten der Bevölkerung. Und eine Lust der Medien, die Notwendigkeit dieser Regeln mithilfe einer angstschürenden Berichterstattung als alternativlos durchzupeitschen.

Sind wir doch ein Volk der Untertanen? Ist der deutsche Untertanengeist doch noch so aktiv in uns? Haben wir nur auf so eine Krise gewartet, um uns endlich wieder einmal so richtig durchregieren zu lassen?

Ich bleibe verwundert, reibe mir die Augen. Was ist los im Staate Deutschland?

Warum sind wir so wenig gelassen? Warum verlieren wir uns in einem blinden Aktionismus? Und warum sind wir so intolerant gegenüber Menschen, die anders denken, andere Wege gehen, die Kritik üben, die unbequeme Fragen dazu stellen, ob das alles wirklich so notwendig wie behauptet sei?

Und warum pochen wir so auf Pflichten und Verbote? Würde eine der letzten offensichtlichen Einschränkungen und Pflichten nun fallen, die Maskenpflicht, hätte man keinen Grund mehr für Denunziation. Man könnte nicht mehr die in diesem Fall offensichtlichen Abweichler, die ohne Maske herumlaufen (sei es aus Verweigerung oder wegen einer ärztlichen Befreiung) maßregeln und zur Rede stellen.

Vielleicht gefällt es uns, uns in einer Herde zu versammeln und zu schreien: Her mit den Regeln! Verbietet uns unsere Wohnungen zu verlassen! Sagt uns, was erlaubt ist und was nicht. Und uns dann noch als solidarisch feiern zu lassen.

Denk ich an Deutschland in der Nacht....